Wicca, die Religion des Selbstausdrucks

Von Morgana Sythove

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Morgana

Eine der positivsten Seiten daran ein heidnisches Magazin zu herauszugeben, sind die Kontakte die wir mit den vielen Menschen knüpfen, die an uns herantreten. Der meiste Kontakt läuft über Briefe ab und betrifft in der Regel praktische, konkrete Fragen. Aber gelegentlich entsteht eine wahrhaftige Unterhaltung aus diesen flüchtigen Kontakten. Neben der Briefkorrespondenz haben wir auch Leute persönlich getroffen. Es ist oft überraschend zu sehen, wie viele verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Lebenshintergründen und aus den unterschiedlichen Altersgruppen auftauchen, von denen einige aktiv in der Kunst sind und andere komplette Neulinge.

Sehr oft werden wir gefragt wie wir zuerst mit der Kunst in Kontakt gekommen sind, und wir sind natürlich immer interessiert zu hören, wie andere Menschen zu einem heidnischen Lebensstil gefunden haben. Es ist auffällig, dass die meisten Menschen nicht genau wissen wann ihr Interesse geweckt wurde. Viel öfter hatten sie das Gefühl, den Großteil ihres Lebens Heide gewesen zu sein. Der eigentliche Zeitpunkt, an dem sie auf Wicca als eine moderne heidnische Religion aufmerksam geworden sind, ist für gewöhnlich viel leichter zu erinnern. In meinem Fall war das ganz besonders der Fall. Ich erinnere mich sehr deutlich, dass ich sehr überrascht war als ich hörte, dass eine moderne Form der Hexerei existierte, besser bekannt als die Kunst (Craft im Englischen). Zur der Zeit war in Holland so gut wie nichts bekannt über Wicca. Die Situation weckte in uns die Idee, ein heidnisches Magazin anzutesten, als Versuch mit gleichgesinnten Leuten in Kontakt zu kommen. Das allerwichtigste Ziel von “Wiccan Rede” war und ist es, einen Knotenpunkt und eine Verbindung zu schaffen zwischen Heiden und anderen Leuten, die an Wicca interessiert waren.

Die Veröffentlichung des Magazins hat zunehmend unsere persönliche Entwicklung innerhalb der Kunst beeinflusst und diese Entwicklung ist ziemlich anders als die, die die meisten durchmachen. Aber mehr als darüber zu diskutieren wie das Magazin meine Sicht auf die Kunst beeinflusst hat, möchte ich den Versuch unternehmen und die Gelegenheit nutzen, meine persönliche Sichtweise auf die Kunst darzulegen.

Wie hat Wicca mein Leben verändert? Was empfinde ich als die Essenz von Wicca? Eines der ersten Dinge die ich bemerkt habe, als ich aufmerksam auf eine moderne heidnische Bewegung wurde, war die allgemeine Bestätigung, die ich in Bezug auf viele Dinge erfuhr, die ich glaubte; oft im Geheimen, denn bis zu dem Moment war ich selten in der Lage gewesen, gleichgesinnte Seelen zu finden mit denen ich meine Ansichten wirklich teilen konnte. So oft haben Leute geglaubt ich sei leicht verrückt – ein Freak, ein Hippie – oder sie teilten einfach nicht meine Auffassung. Diese Einstellung ließ mich oft mit dem Empfinden, allein und frustriert zu sein, zurück. Das Auffinden von gleichgesinnte Seelen war wirklich ein Nach-Hause-Kommen für mich, während ich begann meine Familie zu finden – meine spirituellen Brüder und Schwestern.

Während meiner spirituellen Suche hatte ich natürlich viele der Dinge, an die ich glaubte, in anderen spirituellen Strömungen gefunden, aber sehr oft fand ich mich dabei wieder, wie ich über Dogmen und Terminologien stolperte, die ich als sehr limitierend empfand.

Das erste was ich an Wicca bemerkte als mir die Wiccan Rede bewusst wurde, war die Abwesenheit von Dogma und aufgeblasener Philosophie. “Wenn es niemandem schadet, tu was du willst.”

Meine erste Reaktion war “Es ist so einfach, aber wahr”. Was willst du mehr?

Wicca ist eine einfache Religion. Sie ist direkt. Es gibt wenig genaue Ausführungen und vor Allem ist es was du daraus machst. Wir nennen es oft eine Do-it-yourself-Religion und das beschreibt die Kunst wirklich kurz und bündig.

In der Artikelserie “Der Besen”, die ich für Wiccan Rede geschrieben habe, habe ich Wicca als die “Religion des Selbstausdrucks” betitelt. Was habe ich damit gemeint?

Ich wollte die Idee vermitteln, dass die Essenz von Wicca in der Möglichkeit liegt, sich selbst auszudrücken auf eine Art und Weise, die sich richtig anfühlt. In unserer modernen Gesellschaft werden wir oft auf eine Nummer oder das sprichwörtliche Rad im Getriebe der modernen Technologie und Bürokratie reduziert. Wir haben das Gefühl, dass unser Beitrag verschwindend klein ist. Es gibt wenig Anerkennung für unsere Arbeit und unser Bemühen. Wir kommen daher zu dem Schluss dass wir wertlos sind und das führt häufig zu einer allgemeinen Stimmung von Zynismus und Apathie.

In der Kunst ist jeder wertvoll; wir werden ermutigt nach unseren Talenten und Begabungen zu suchen, wie vergebens und unwichtig sie auch in der Betrachtung der größeren Öffentlichkeit sein mögen.

Meine Aktivitäten in der Kunst haben meinem Leben neue Dimensionen gegeben. Statt mich machtlos zu fühlen habe ich neue Wege entdeckt mich auszudrücken und damit angefangen, mich so viel positiver dem Leben gegenüber zu fühlen.

Es ist klar dass eine positive Einstellung das Leben auf viele Arten beeinflussen kann; selbst stumpfe langweilige Routinearbeit kann interessant werden, wenn man bereit und willig ist nach einer Herausforderung zu suchen und seine Vorstellungskraft einzusetzen. Man ist außerdem motiviert sich einzubringen, die weltliche Seite des Lebens als wertvoll anzusehen und nicht als eine öde Angelegenheit oder gar etwas, das jenseits von uns liegt. In meinem Fall hat mir eine positive Einstellung geholfen mein Selbstvertrauen und meinen Glauben an mich selbst vergrößern. Selbst wenn alles falsch zu laufen scheint, weiß ich tief in meinem Herzen, dass es eine Ursache geben muss und dass wir die Tiefen nicht ohne Grund erleben. Diese Sicherheit hat mir auch geholfen, mir die Gewissheit zu bestätigen, dass eine göttliche Macht gegenwärtig ist und vor allem dass wir Kontakt mit diesen Kräften aufnehmen können.

Im Handwerk glauben wir, dass die Götter uns so sehr brauchen wie wir sie. Wir sind keine Diener der Götter sondern ihre irdischen Vertreter. Jede Frau ist die Göttin und jeder Mann ist der Gott. Unser Ziel ist es als Götter zu leben, unsere kreativen Talente und unsere Weisheit in vollem Umfang zu nutzen. Wir sind in vielerlei Hinsicht immer noch Kinder, aber so lange wir nicht die Einsicht haben, zu sehen wer wir sind und unseren Wert in diesem irdischen Leben erkennen, gibt es wenig Hoffnung auf eine positive Entwicklung und Evolution der Menschheit.

Zeus and Hera 1
Männliche und weiblich Prinzipien

Das Prinzip der männlichen und weiblichen Energie ist ein wichtiger Teil der Wicca-Philosophie. Dieses Prinzip lässt sich in nahezu allen Bereichen des Lebens zu finden. Es ist ein Prinzip, das auf Polarität basiert, wo Gleichgewicht und Harmonie verwirklicht werden können. Diese Polarität kann in jedem Menschen gefunden werden. Jeder Mann hat etwas Weibliches, während jede Frau etwas Maskulines besitzt. Wicca ist mit der Suche nach diesem Gleichgewicht beschäftigt, so wie die Natur auch in Richtung Gleichgewicht strebt.

Wie funktioniert das in der Praxis? In meinem Fall hat die Kunst mich dazu geführt, bestimmte Aspekten unserer Gesellschaft in Frage zu stellen. Ich war nie allzu überzeugt davon, dass die traditionellen männlichen und weiblichen Rollen natürlich waren. Als mir wirklich das Prinzip der Polarität bewusst wurde, realisierte ich noch mehr, wie absurd diese Trennung ist. Beide Pole haben eine besondere Qualität, deren Energie sich besser für bestimmte Situationen eignet. Dies bedeutet jedoch nicht, dass ein Pol besser oder schlechter ist als der andere. In anderen Worten ausgedrückt kann die feminine Seite der Natur viel besser in manchen Situationen geeignet sein, in denen ein männliche Ansatz bei weitem nicht ideal wäre und umgekehrt. Wir dürfen jedoch nie vergessen, dass beide, männliche und weibliche Eigenschaften, in jedem Menschen existieren; eine Frau ist ebenso in der Lage, ihren männlichen Einblick zu nutzen wie jeder Mann und umgekehrt. Dies bedeutet nicht, dass ein Mann oder eine Frau in die Rolle des anderen Geschlechts treten sollte, um ihren Standpunkt zu beweisen – es ist eine Frage des Gleichgewichts und der Anerkennung der beiden Pole in einem selbst – die männliche und weibliche Polarität in einem selbst, und die Einsicht, zu wissen wann welche angebracht ist.

Dieser Punkt wird auf dramatische Weise in der Kunst betont, wenn wir erkennen, dass Gott und Göttin als gleichwertig gesehen werden und dass keiner dem anderen überlegen oder unterlegen ist. Als Frau war es sicherlich dieser Aspekt der Kunst, der mich anzog. Ich werde nicht als Bürger zweiter Klasse behandelt – Frauen werden respektiert und erhalten die Ehrerbietung, die sie verdienen. Mann und Frau können zusammen als Priester und Priesterin arbeiten und damit Harmonie erschaffen. Und vor Allem kann aus einer solchen Beziehung Respekt erwachsen.

Als Ergebnis dieses Austausches von Energie besteht auch die Möglichkeit, dass ein dritter Aspekt erscheint: Balance – etwas völlig Neues, das vorher nicht existierte. Diese Balance ist eine der Grundlagen der magischen Arbeit und hat sehr viel mit dem Gleichgewicht zwischen Intellekt, Gefühl, Emotionen und Willenskraft zu tun. Eigenschaften, die entwickelt werden sollten, wenn es darum geht wahre Harmonie zu erreichen.

Immer, wenn einer der Pole überbetont wird geht die Balance verloren. Willenskraft ist zum Beispiel eine wichtige Qualität in der Magie, aber wenn wenig Gefühl oder Mitgefühl vorliegenden, können die Ergebnisse sehr egozentrisch sein. Wenn das Gefühl die Oberhand gewinnt, wie zum Beispiel Rache, dann können die späteren Ergebnisse ebenfalls unausgeglichen sein.

Ich habe festgestellt, dass das Prinzip der Polarität auf alle Aspekte des Lebens angewendet werden kann, vor allem in den Bereichen der Ethik. Es ist mir aufgefallen, dass viele Menschen sich nie wirklich die Mühe machen, die Moral der Gesellschaft in Frage zu stellen. Immer, wenn jemand anderes etwas tut, egal wie asozial oder barbarisch es sein mag, wird es oftmals akzeptiert – mit der Folge, dass es zu einem „normalen“ Weg des Lebens wird. Sobald man beginnt, bewusst magisch zu arbeiten ist man häufig mit ethischen Fragen konfrontiert. Ich bin mir viel mehr der Tatsache bewusst, dass ich Menschen und Situationen beeinflussen kann. Natürlich war ich in der Lage das zu tun, bevor ich überhaupt von der Kunst gehört hatte, aber nach und nach hat sich mein Bewusstsein eingestimmt auf diesen Aspekt des Lebens und als Ergebnis meine Sichtweise der Dinge verändert. Dieses Bewusstsein hat mich dazu gebracht, Dinge erneut zu betrachten, über die ich vorher nicht zweimal nachgedacht habe. Fragen zu Aspekten unseres täglichen Lebens, wie Klatsch, das Beurteilen andere Menschen; Dinge, über die wir wenig wissen und bei denen wir doch so tun, als seien wir Experten und hätten fertige Lösungen!

Sich mit Magie zu beschäftigen bedeutet, von innen zu arbeiten – das Gefühl mit dem Intellekt zu vereinigen und das Ergebnis in Taten zu transformieren. Der Kanal dafür ist die Persönlichkeit. Innerhalb der Persönlichkeit gibt es einen Sinn für Moral und vor allem Verantwortung. Positiv zu arbeiten bedeutet im Wesentlichen, die eigenen Grenzen erkennen zu lernen, für sich selbst zu lernen, was richtig und falsch ist in Bezug auf die Menschheit. Wir haben uns so konditionieren lassen, dass wir faul geworden sind, oder, schlimmer noch, nicht einmal erkennen, dass wir unsere eigene Zukunft bestimmen können. Es bedarf einer starke Willenskraft, nicht vom der einfachen Weg out dass andere Menschen unser Leben führen. Wir gehen sogar das Risiko ein Freunde zu verlieren, weil wir nicht konform werden wollen, aber am Ende können wir hoffen, dass unser Leben nicht dadurch vergeudet worden ist , dass wir blind der Masse gefolgt sind und ein relativ farbloses, uninteressantes Leben leben.

Magisch arbeiten bedeutet auch, nach außen aktiv zu sein. Es gibt eine Kommunikation in beide Richtungen (wieder Polarität) zwischen unserer inneren und äußeren Welt. Im Handwerk ist die Natur unser Führer. Eine enge Beziehung mit den Naturkräften und -zyklen können die Grundlage bilden, von der aus wir arbeiten. Oft können wir Antworten auf unsere Probleme finden, indem wir die natürliche Welt beobachten – wenn wir uns die Mühe machen hin zu schauen. Die Natur ist unsere Quelle der Inspiration, und sie kann uns das Gerüst für unseren Überlebenssinn und unsere Existenz liefern. Dieses Wissen hat mir den Glauben und das Vertrauen vermittelt, dass nichts ohne Grund und Sinn passiert. Ich habe erkannt, dass, obwohl ich nicht alle Antworten kennen mag, das Potential vorhanden ist, die Rätsel zu lösen. Vielleicht (wahrscheinlich) werde ich nicht alle Antworten in diesem Leben finden, noch in vielen Lebenszeiten die noch kommen, aber eines Tages wird alles offenbar werden. Ein gewisses Maß an Geduld ist eindeutig notwendig, aber ich werde nicht die apathische Haltung eines „Warum sollte ich?“ oder „Was ist überhaupt der Sinn?“ akzeptieren. Das Leben ist zu interessant und sinnhaft um eine negative Einstellung haben und vor allem kann Negativität zerstörerisch sein. Wie viele Menschen realisieren wirklich, dass alle negativen (und positiven) Gedanken in die Erd-Aura projiziert werden? Kein Wunder, dass Leid und Schmerz auf unserem Planeten existieren, wenn es so viel negative Energie um uns herum gibt!

In den Ritualen des Handwerks und in der Arbeit im Kreis versuchen wir dieser Situation entgegenzuwirken. Die Rituale sind auf einer fröhlichen, liebevollen Atmosphäre gegründet und der Kreis ist ein Generator für diese Atmosphäre. Jeder der im Kreis arbeitet, ist sich dieser Tatsache bewusst. Wir versuchen bewusst, die negativen Schwingungen in positive Energie zu transformieren, die dann wieder in die Erd-Aura projiziert wird. Es ist auch möglich, den Kreis in der eigenen Aura mit zu nehmen. Auf diese Weise ist es buchstäblich möglich 24 Stunden am Tag positive Energie auszustrahlen, auch wenn in der Praxis eine Tendenz zu Höhen und Tiefen im Energieniveau gibt. Aber wir bestitzen das Potenzial, positive Energie auszusenden.

Immer wenn wir von negativen Einflüssen bedroht werden, kann diese „Strahlung“ in vertrauter Begriffe wie „optimistisch“, „mit einem sonnigen Persönlichkeit“ usw. übersetzt werden.

Negative Einflüsse haben die zerstörerische Tendenz, unser Leben zu fragmentieren oder zu zersplittern. Fragmentierung und alle Folgen davon sind ein wachsendes Phänomen, vor allem im Westen. Die Anzahl der Gruppen und Fraktionen wächst zunehmend und das Ideal einer vereinten Welt scheint weiter entfernt denn je. Natürlich sind die „Gruppenphänomene“ nicht ganz neu, aber heute gibt es eine viel aggressivere und destruktivere Tendenz. Es gibt wenig Toleranz zwischen den Gruppen; es ist ein extremer individualistischer Geist zu spüren, der dazu tendiert, die Existenz von Gruppen, die anders denken und handeln, zu verleugnen.

Obwohl das Handwerk kleine autonome Gruppen (die Coven) kennt, gibt es ein grundlegendes philosophisches Fundament, das die einzelnen Gruppen verbindet. Vielleicht ist dies einer der interessantesten und zugleich schwierigsten Aspekte, den es am Handwerk zu ergründen gibt. Auf der einen Seite kann ich mich als Individuum entwickeln, während ich immer noch der Tatsache bewusst bin, dass ich zum Ganzen der Menschheit gehöre. Um mich vollständig als Individuum zu entwickeln, sollte ich die Möglichkeit haben, meine eigenen Talente entdecken, wie unterschiedlich und vielfältig sie in Bezug auf meine Freunde und Bekannten auch sein mögen. Die kleinen autonomen Gruppen des Handwerks ermöglichen diese Vielfalt der individuellen Entwicklung ohne den Blick auf die größere Rolle der Evolution der Menschheit zu verlieren.

Immer, wenn ich Leute aus anderen Coven oder Menschen, die alleine arbeiten, treffe, fühle ich mich völlig frei Ideen auszutauschen, auch wenn wir nicht immer derselben Meinung sind. Dies ist möglich, weil wir wissen, dass wir auf dasselbe Ziel hin arbeiten, so verschieden unsere Methoden auch sein mögen. Diese tolerante Haltung kann sich extrem positiv auswirken und schafft Raum für eine dynamische Entwicklung und Entfaltung. Es bedeutet auch, dass das gesamte Gruppennetzwerk die Dynamik einer wirklich lebende progressive Evolution beibehält. Wir alle lernen und dieser Lernprozess wird anhalten. Nur so sind wir wirklich lebendig.

Diese Vielfalt beinhaltet einen weiteren positiven Aspekt. Da es kein Dogma gibt ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass Ideen stagnieren oder versteinert werden, oder schlimmer noch, dass die Leute zu faul werden, um für sich selbst denken, und alles was sie hören wie Schwämme aufsaugen ohne das Wissen selbst zu leben.

Es gibt eine ganz bestimmte Chance, in Bezug auf die persönliche Entwicklung aktiv zu werden. Für mich ist diese unabhängige Entwicklung sehr wichtig gewesen. Ich bin in der Lage, meine eigenen kreativen Talente zu entdecken – in Gedanken und Gefühlen, ohne mich begrenzt zu fühlen. Manchmal habe ich etwas entdeckt, nur um später herauszufinden, dass jemand anderes die gleiche Sache entdeckt hat (selbst vor Jahrhunderten), aber das schmälert nicht das ursprüngliche Empfinden. Wenn ich herausfinde, dass jemand anderes zu den gleichen Schlüssen gekommen ist wie ich, erscheint es mir wie eine Bestätigung.

Eine der Maximen im Handwerk ist „Wenn es sich gut für dich anfühlt dann ist es richtig“. Diese Haltung lässt die Möglichkeit zu, zu wählen, welcher Kurs persönlich für dich richtig ist, statt zu hören zu bekommen:“Du musst dieses oder jenes tun“. Natürlich kann Rat von jemandem der mehr Erfahrung hat sehr nützlich sein, und ich war immer sehr dankbar für diesen Rat. Aber ich habe mich nie gezwungen gefühlt einem solchen Folge zu leisten. Letztlich müssen wir unsere eigene Wahl und unsere eigenen Entscheidungen treffen.

Wenn du bis hierher gelesen hast wird dir wahrscheinlich aufgefallen sein, dass ich auch ohne das Handwerk zu diesen Schlussfolgerungen gekommen hätte kommen können. Jeder der ein bisschen Willenskraft und gesunden Menschenverstand hat kann seinen eigenen inneren Wert erkennen und eine besondere Einstellung zum Leben entwickeln. Das ist zweifellos der Fall. Also, warum ist das Handwerk solch eine lohnende Religion für mich?

Die Essenz liegt in meiner Verbindung mit dem Gott und Göttin und meiner Erkenntnis, dass ich als menschliches Wesen ein Kind der Götter bin.

Der Gott ist mein Jagdtrieb, mein Kampfgeist, meine Willenskraft, meine Ausdauer und Entschlossenheit, während die Göttin meine Seele, meine Intuition und Leidenschaft ist. Gemeinsam haben sie mich geformt und erschaffen, und ich als Kind ihrer Vereinigung bin in der Lage ihren kreativen Kräften Ausdruck auf der Erde zu verleihen. Ich bin ihre Manifestation auf der Erde.

Die Kunst ist ein Erdreligion – sie besitzt die rohe Kraft der Natur selbst. Sie lässt nur nur wenige Kompromisse zu. Die Gesetze nach denen wir leben sollten Naturgesetze, nicht menschengemachte Gesetze, sein. Das Reich des Menschen hat eine bestimmte Rolle in der Evolution der Erde zu spielen, aber das gleiche gilt für die Pflanzen, Tiere und Mineralien. Die alten Heiden wussten dies und als moderne Heiden ist es unsere Aufgabe dieses Wissen wieder zu beleben und es mit dem Verstand, der einen enormen Einfluss auf unser modernes Bewusstsein gehabt hat, zu vereinen.

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Auf die richtige Sichtweise kommt es an.

Wicca ist eine Fruchtbarkeitsreligion – nicht nur des Landes, sondern auch des Geistes. Wicca ist auch die Alte Religion des Jägers – des Gehörnten Gottes. Heute sind wir Jäger der Wahrheit, und wir müssen wieder lernen unsere Hörner, unsere spirituellen Antennen, zu verwenden, wenn wir die uralten Geheimnisse unserer Existenz und unserer kosmischen Ursprünge entdecken wollen. Die alten heidnischen Götter wurden oft als Krieger dargestellt – so sind auch wir Krieger, mutig und ohne Angst. Es ist nicht von ungefähr, dass die Waffen der Hexen Waffen genannt werden, und dass der Kreis gezogen wird, um eine Barriere gegen die Mächte der Finsternis zu bilden. Meine Verbindung mit dem Gott und Göttin stärkt diese Überzeugung, diesen Wunsch, die Kräfte der Dunkelheit zu überwinden; und obwohl ich vielleicht versucht bin, in Richtung des linken Pfades zu wandern, weiß ich, dass sie mich schützen und mich auf den richtigen Weg zurück führen, wann immer es notwendig ist. Es ist dieser Glaube, der mich in meinen dunkelsten Momenten leitet und mir den Mut und die Entschlossenheit verleiht, um weiter zu machen.

Es ist dieser Glaube, auf dem ich aufbauen kann und vor allem diese gewisse Sicherheit, auf die ich mich verlassen kann. Konkret gesagt, ist es eine geistige und seelische Stabilität, die – was immer passiert – mich nie enttäuschen wird.