Alles neu macht der Mai

Von Chris Frey

Wiki_MagnolieaDies ist er also – der erste offizielle Post auf der deutschen Webseite von Silver Circle. Vielleicht eine gute Gelegenheit, um zu erzählen wie Alles angefangen hat.

Im Leben aller spirituell suchenden Menschen gibt es Zeiten, in denen man Riesenfortschritte macht und die Lernerfolge mit hübscher Regelmässigkeit eintreffen. Alles ist neu, aufregend, bunt und voller Magie. Das Leben ist wunderbar.

Und dann gibt es da jene anderen Zeiten – Phasen der Stagnation, in denen sich nichts tut, in denen die alten Denksysteme einen nicht mehr erfüllen und nichts was einmal funktioniert hat noch eine Wirkung zu haben scheint. Vielleicht nicht gleich die berüchtigte Dunkle Nacht der Seele, aber doch eine Zeit in der wir gezwungen sind uns zu verändern.

Und plötzlich zeigt sich etwas Neues am Horizont, so als wolle das Leben unseren Willen zur Veränderung bestätigen.

Die letzten Monate waren für mich eine solche Zeit. Mein Erstgrad-Wicca-Training in Holland war seit langer Zeit abgeschlossen und ich hatte mich aus verschiedenen Gründen anderen Wegen zugewandt, statt eine weitere „Laufbahn“ im Gardnerianischen Wicca anzustreben. Das Druidentum hat mich ebenfalls von jeher fasziniert, und so habe ich die letzten Jahre mit den hervorragenden Fernkursen des OBOD zugebracht, die mir genau die Inspiration brachten, die ich zum jeweiligen Zeitpunkt zu brauchen schien. Aber auch dieser Weg hatte seine lebendigen und weniger lebendigen Phasen.

Seit geraumer Zeit schon war mir klar, dass keine Tradition mir jemals komplett alle Antworten liefern würde oder mich komplett erfüllen würde, aber daran fand ich nichts Schlimmes. Ganz im Gegenteil. In der Antike gehörten Menschen oft verschiedenen Religionen an, praktizierten neben der Staatsreligion noch ein, zwei Mysterienkulte, und sahen darin keinen Widerspruch. Und was für die alten Griechen funktionierte, sollte für mich doch erst recht gehen.

Die Lektionen aller Wege schienen sich in mir gegenseitig zu befruchten und zu etwas zu verschmelzen, was ganz meins war. Dennoch hatte sich seit Anfang des Jahres Langeweile eingeschlichen. Was mir fehlte war vor Allem Input von anderen Menschen, eine Gemeinschaft und eine Möglichkeit, meine Spiritualität auf eine ambitioniertere Weise zu leben – in Form eines Ziels für mich wie auch die größere magische Gemeinschaft.

Und so schickte ich in einer meiner Morgenmeditationen den intensiven Wunsch ins Universum, dass sich eine geeignete Aufgabe zeigen möge. Am nächsten Tag rief Morgana, meine ehemalige niederländisch-englische Hohepriesterin an (mit der ich über die Jahre einen guten Kontakt gepflegt hatte) um mir den Vorschlag zu machen, eine Webseite für Silver Circle in Deutschland zu kreieren. Ich war doch ziemlich baff, auch wenn wir diese Idee bereits schon mal zwei Jahre zuvor angerissen hatten.

Wie gesagt, ich war überwältigt. Und sofort schossen mir alle möglichen Zweifel und Gegengründe durch den Kopf: Ich habe seit Jahren nicht aktiv am Covenleben teilgenommen, meine Wicca-Praxis ist nicht „rein“ genug, ich habe keine Lust auf die Hexenkriege, zu der die Szene sich viel zu oft hinreissen lässt, und überhaupt – als „nur“ Erstgrad-Initiierter wird manche Hohepriesterin mich sicher sofort Vierteilen und den Krähen zum Fraß vorwerfen wollen. Möglicherweise zu recht. Andererseits…

Ich hatte gefragt. Ich hatte eine Antwort erhalten.

„Okay, ich mach’s.“ hörte ich mich nur wenige Sekunden später sagen.

Warum ich euch das Alles erzähle? Nun, so wisst ihr gleich mit wem ihr es hier zu tun habt: einem bescheidenen, wenn auch ambitionierten Hexer, der offen zugibt, dass er keine besonderen Grade, exklusives Geheimwissen oder gottgleiche persönliche Reife aufzuweisen hat. Andererseits könnt ihr euch sicher sein, dass ich Wicca als Weg der persönlichen spirituellen Entfaltung zutiefst schätze und mein Bestes tun werde, um diese Tradition in ihrer schlichten Effizienz und tiefen Schönheit zu präsentieren.

Wer mich kennt, der weiß, dass ich großen Respekt vor wirksamen Methoden habe, aber nur sehr wenig von Dogmen und Regelversessenheit halte. Der Satz „Weil es schon immer so war“ ist eines meiner liebsten pet peeves, wenn es um Traditionen geht. Wicca ist bei aller Verwurzelung in den Traditionen ein organischer Weg, der – mit gesundem Menschenverstand praktiziert – mit der Zeit zu gehen vermag. Denn Tradition ist, wie es so schön heißt, die Weitergabe des Feuers, nicht die Anbetung der Asche.

Ich hoffe, dass ich dem Flämmchen, das mir von Morgana übergeben wurde, gerecht werde und mit den hier versammelten Informationen und Übersetzungen dem englisch-niederländischen Material ansatzweise das Wasser reichen kann.

Gesegnete Grüße

Euer Chris