Buchrezension: Wicca Made Easy

Phyllis Curotts Bücher haben in den späten Neunzigern vollends meine Begeisterung für die Hexerei entfacht und ihr eine spirituelle Dimension verliehen, die viel mehr mit mir resonierte als z.B. Starhawks politischer Ansatz. Ich liebe ihre Bücher „Spirituelle Magie“ und „Im Namen der Großen Göttin“ bis heute.

Und so war ich sehr gespannt auf ihr neues Werk „Wicca Mady Easy“, erst recht, da es in Louise Hays Verlag Hay House erschienen ist. Die Kombination dieser beiden für mich wichtigen spirituellen Ikonen liess mein Herz in der Brust springen.

Aber vielleicht liegt genau in dieser Kombination das Problem. Nach den ersten sehr schönen einführenden Worten, in denen Curott wieder einmal unter Beweis stellt, dass sie tiefe Weisheiten bemerkenswert einfach und einleuchtend zum Ausdruck bringen kann, kommt eine Menge altbekanntes. Das, was zuvor noch bestechend in seiner Einfachheit war, kippt nun ins unglaublich Seichte und Anspruchslose. Wicca im New-Age-Gewand. Und damit es auch niemanden verletzt, sind die Götter jetzt genderneutral.

Was Alles noch schlimmer macht, ist, dass Curott noch immer von einer ununterbrochenen Wicca-Tradition spricht, die bis in die Steinzeit zurückgeht. Ich vermute an dieser Stelle mal ganz heiß, dass sie es wahrscheinlich besser weiß, aber der Verlag der Meinung war, dass die Legende von der schamanischen Ur-Religion der Großen Göttin sich einfach besser verkauft.

Zu Curotts Ehrenrettung muss man sagen, dass das Buch genau das hält, was der Titel verspricht. Es ist definitiv ein einfacher Einstieg ins Thema Wicca; ein gefällig geschriebener noch dazu. Aber leider kommt das Ganze auch für meinen Geschmack viel zu seicht, gehaltlos und an manchen Stellen gar die Tatsachen vereinfachend/verfälschend daher. Ich habe mich des Öfteren bei der Lektüre gefragt, was die Existenz dieses Buches überhaupt rechtfertigt, hat Curott doch bereits ein sehr ähnliches, aber weitaus besseres Buch mit „Spirituelle Magie“ (engl. Witchcrafting) geschrieben.

Vielleicht war es der schnöde Mammon, der gelockt hat. Vielleicht hat jemand bei Hay House gedacht: „Hey, wir sollten auf den Wicca-Zug aufspringen!“ Vielleicht hat auch jemand ein Wicca-Buch vermisst, dass der modernen Einstellung Genüge tut, dass nichts übermäßig herausfordern sollte. Wicca for snowflakes sozusagen.

Das Ergebnis ist leider – abgesehen von ein paar wirklich tollen Sätzen – ein ganz und gar überflüssiges Buch; der enttäuschende Abklatsch eines früheren Werkes der Autorin, der es offenbar wichtiger ist, sich bei einem allzu genügsamen Publikum anzubiedern, statt einen wirklich frischen Ansatz zu bieten.

Schade, wirklich schade… denn Curott hat bereits bewiesen, dass sie es besser kann.

2 von 5 Punkten

Taschenbuch: 288 Seiten

Verlag: Hay House UK (20. November 2018)

Sprache: Englisch

ISBN-10: 1788171632

ISBN-13: 978-1788171632

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