Der Mondtempel – eine geführte Meditation

Von Chris Frey
OLYMPUS DIGITAL CAMERADiese geführte Meditation, auch Pfadarbeit genannt, schrieb ich vor einigen Jahren für eine kleine Gruppe von angehenden Hexen. Ich finde sie passt hervorragend zum heutigen Vollmond und war zudem inspiriert durch den vorhergehenden Artikel von Merlin.

Schließe die Augen. Erde und zentriere dich. Nimm drei bewusste, tiefe Atemzüge und entspanne dich.

Stell dir vor dass du durch einen Wald gehst. Die Baumkronen über dir rauschen geheimnisvoll und der Wind streicht durch dein Haar. Du gehst einen schmalen Waldweg entlang und gelangst an eine hohe Weißdornhecke. Was wird wohl hinter der Hecke sein? Du folgst dem Verlauf der grünen Barriere und gelangst zu einem hölzernen Tor mit alten Kupferbeschlägen. Gern würdest du einen Blick hinter das Tor werfen.

Als du dir das Tor näher ansiehst entdeckst du ein altes rostiges Schloß. Irgendetwas sagt dir, dass du den Schlüssel dazu in der unmittelbaren Umgebung des Tores findest. Und tatsächlich, da ist er. Du merkst dir das Versteck gut.

Sieh dir nun den Schlüssel an. Besitzt er eine auffällige Form oder sind Symbole in ihn eingewirkt? Aus welchem Material ist er geformt?

Du beschließt, das Tor zu öffnen, was dir mühelos gelingt.  Das Tor öffnet sich knarrend und jenseits der Weißdornhecke fällt dein Blick eine zwielichtdurchflutete, hügelige Graslandschaft. Eine sanfte Brise streicht über die Halme, und lässt sie im silbrigen Glanz wie wogende Wellen erscheinen.  Siehst du das wogende Grasmeer? Siehst du, wie der Wind mit den Halmen spielt und an den winzigen Blüten zerrt?

Du  schreitest durch das Tor und trittst ein in diese Landschaft. Sieh dich um. Was erkennst du? Spüre den Wind auf deiner Haut, sieh die in der frühlingshaften zitternden Halme zu deinen Füssen. Sieh auf deine Hände, spiele mit den Schatten, die deine Finger auf deinen Körper werfen.

Vor dir machst du die silbrige Scheibe des Mondes im Himmel aus während am Horizont dahinter noch die letzten goldenen Strahlen der Sonne versinken. Der Himmel ist violett bis tiefblau und vereinzelt funkelt schon der eine oder andere Stern am Firmament.

Unterhalb der Mondscheibe fällt dein Blick auf die sanfte Kuppe eines Hügels, auf dem einige große, hohe Steine sicht gen Himmel recken. Der uralte Steinkreis erwartet dich und du beginnst deinen Weg den Hügel hinauf, vorbei an Kornblumen und wogendem Gras.

Du erreichst die Hügelkuppe und betrittst den alten Steinkreis. Jetzt kannst du erkennen, dass er aus acht großen aufrecht stehenden Felsen besteht, aber darin befindet sich ein weiterer Kreis. Seine insgesamt dreizehn Steine sind kleiner und verwitterter, und scheinen noch weitaus älter zu sein. Einige von ihnen stehen schief, und im Gegensatz zu den gleichförmigen Steinen des äußeren Kreises sind sie alle unterschiedlich geformt. Einige erinnern vage an Menschen, Gnome oder Tiere.

In der Mitte der Anlage befindet sich ein weiterer quergelegter Fels mit einer Vertiefung in der Oberfläche, in der sich klares Regenwasser gesammelt hat. Die ruhige Wasseroberfläche schimmert im Licht des Mond und der letzten Sonnenstrahlen. Wenn du nah an den Fels herantrittst, kannst du sehen wie sich die leuchtende Mondscheibe im Wasser spiegelt.

Was spiegelt sich noch in dem Wasser? Was siehst du? Lass die Bilder einfach kommen. Beobachte.

PAUSE

Du hast nun genug gesehen. Der frischer werdende Wind holt dich allmählich zurück in die Gegenwart, in den Steinkreis auf der Kuppe des grasbewachsenen Hügels.

Du verabschiedest dich von deiner Vision und bedankst dich bei diesem Ort und den Steinen und beginnst nun den Hügel hinabzusteigen, durch das wogende Gras, bis zum Fuß des Hügels, wo das Tor und die Weißdornhecke dich erwarten.

Du trittst durch das Tor, verschließt es und legst den Schlüssel wieder an seinen Ort. Du gehst durch den Wald, und mit jedem Schritt zieht es dich stärker zurück in dieses Zimmer, in deinen Körper, ins hier und jetzt. Und wenn du die Augen öffnest, wirst du dich munter und erfrischt fühlen und dich an Alles was du gesehen und wahrgenommen hast, mit präziser Klarheit erinnern. Komm nun zurück. Öffne die Augen. Sei ganz hier. Hier und jetzt. Willkommen zurück.