von Morgana

Der nachfolgende Artikel wurde von Anufa Elhorn für die Webseite wurzelwerk.at übersetzt und von mir redigiert. Es gibt minimale Änderungen der dort erschienenen Version, die in der Verwendung von „Kunst“ oder anderen passenden Begriffen statt des englischen Wortes Craft bestehen, welches Anufa in ihrer Übersetzung als englischen Eigenbegriff bevorzugt. – Chris Frey

Als ich 1979 initiiert wurde, war es für mich nicht seltsam, dass ich über die Gruppe in die ich aufgenommen wurde, so gut wie nichts wusste. Der Weg auf dem Merlin und ich das Paar fanden, das später unser Hohepriester/Hohepriesterin werden sollte, war auch nicht seltsam. Er war eher… weird. Weird oder wyrd im Sinne von “werdend, sich entfaltend” – als ob es vorherbestimmt gewesen wäre. Das zufällige Finden einer Adresse, das zufällige Treffen mit jemandem im Zug. Zweifellos kennt jeder diese Erfahrungen, die ich da meine. Nichtsdestotrotz, war es in den 1970ern noch immer sehr schwierig, Gardnerische Hexen zu finden, die bereit waren, Leute aufzunehmen. Nicht dass sie irgend etwas zu verbergen hatten. Ganz im Gegenteil, es war die Gesellschaft im Allgemeinen, die es nicht gewohnt war mit Menschen umzugehen, die eine andere Wahrnehmung von der Natur und eine andere Art der Kommunikation mit ihr hatten, eine andere Sichtweise auf das Hexe Sein und auf den Kontakt mit Göttern (Plural)…

Das Nachkriegsengland erfuhr viele Veränderungen, inklusive die Ablösung von überholten Gesetzen, wie dem „Witchcraft Act 1735“ durch den „Fraudulent Mediums Act 1951“ (der übrigens 2008 in Folge einer EU Verfügung durch die neuen „Consumer Protection Regulations“ ersetzt wurde). Das bedeutete allerdings nicht sofort, dass Hexen so einfach aus dem Besenschrank heraus kommen konnten. Es gab, und gibt immer noch, die Notwendigkeit zur Diskretion. Nachdem wir den Erstkontakt geschlossen hatten, fanden wir heraus, dass die Leute eigentlich sehr offen mit ihrer Praxis umgingen.

Sogar heute, innerhalb des initiatorischen Wicca, das in den US oft als BTW/British Traditional Witchcraft bezeichnet wird, gibt es immer noch Dinge, die als eidgebunden betrachtet werden. Sicherlich sind die bürgerlichen Namen und Name und Ort des Covens absolut privat aber das gilt auch für bestimmte Praktiken und natürlich magische Arbeiten. Wicca selber kann nicht studiert werden, ungeachtet der Existenz von sogenannten „Wicca-Schulen“. Bestimmte Techniken können erlernt werden aber was Wicca ist, kann nur erfahren werden – als persönliches Mysterium. Zumindest ist das meine Wahrnehmung!

Initiation war 1979 also verbunden mit einer bestimmten Tradition, einer bestimmten Strömung. In unserem Fall der Garderischen Tradition. Wir lernten bald, dass ein Großteil unseres Trainings mündlich stattfand, mit einem starken Schwerpunkt auf der Entwicklung unserer Intuition. Zuhören und Muster zu erkennen – „die Punkte verbinden“ – zu verstehen, was Körpergedächtnis wirklich ist. Den Mondphasen zu folgen und den Jahreszeiten. Die Vermischung von altem Volksbrauchtum und Stadleben. Alte Grimoires zu studieren und über okkulte und natürliche Gesetze zu lernen – pure Alchemie, pure Magie!

Darüber hinaus war ich von Gerald Gardners Arbeit und Einfluss fasziniert. Wie haben die früheren Covens gearbeitet? Wer waren die frühen Gardnerischen Wicca-Priester und Priesterinnen? Einmal sah ich sogar ein Diagramm, das unser „Familienstammbaum“ sein sollte. Nicht ganz ein normale Stammbaum aber nichtsdestotrotz unser Abstammungslinie.

Tatsächlich sah ich einige Namen die mir vertraut waren; andere waren völlig neu. In den nachfolgenden mehr als 35 Jahren wurde ich mit den meisten Leuten in diesem Baum mehr und mehr vertraut. Etliche waren gestorben, einige hatten die Kunst verlassen – andere waren weitergezogen um ihre eigenen Zweige oder Linien zu erschaffen.

Eine der sehr frühen Priesterinnen auf diesem Diagramm – Dayonis – hatte augenscheinlich die Kunst verlassen, nachdem sie geheiratet hatte und ausgewandert war. Aufgrund des Berufs ihres Ehemannes, war es nicht passend von Wicca oder von ihrem Engagement im Hexentum zu sprechen. Für viele Jahre war ihr Name damit nur ein Eintrag auf unserem Stammbaum. Ich konnte diesen Wunsch nach Diskretion auch völlig verstehen, weil ich zu dieser Zeit ebenfalls in einer Anstellung war, in der es schwierig hätte werden können, wenn bekannt gewesen wäre, dass ich eine Hexe war. Zu der Zeit war ich Lehrerin und später habe ich im Finanzsektor gearbeitet.

Der Name Dayonis, der ihr von Gardner gegeben worden war, war eigentlich ein Name, den er in seinem ersten Roman „A Goddess Arrives“ (1939), der auf Zypern spielt, verwendet hatte.

Ich bin keine Lady, nur Dayonis

Wie auch immer, rund um 1996, suchte Dayonis, die in der Zwischenzeit in Amerika lebte, Kontakt und fand über ein sehr frühes Internet eine Verbindung zu Gardnerians in Kalifornien, USA. Zu dieser Zeit waren nicht allzu viele von uns online. Ich habe 1996 angefangen E-mails zu verwenden, aber wir hatten bereits seit den frühen 80ern Kontakt mit Gardnerischen und Alexandrischen Hexen und anderen Heiden in den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Australien und Kanada.

Nichtsdestotrotz war ich verwundert als ich sah wie sich Dayonis plötzlich im Juli 1998 auf einer amerikanischen Gardnerischen E-mailliste vorstellte.

Meine Lieben,
Ich habe nur ein paar Kommentare:
1. Bitte – Ich bin keine „Lady“, nur Dayonis. Ich verstehe die Ehrenbezeichnung in diesem Kontext nicht. Ich war nie eine „lady“, nur eine Frau. Nicht ich, meine Lieben, ich bin nur eine Frau. Aber trotzdem vielen Dank.
2. Wenn ich das Obige mit einbeziehe, dann sehe ich mich selbst als Hexe, „witch“ (kleines „w“), die Hexenkunst, „witchcraft“ (kleines „w“) mit Wicca-Symbolismus praktiziert. Heutzutage allerdings, stelle ich mich in der alltäglichen Welt als „born again pagan“ vor – das macht das Leben einfacher, wenn man technisch betrachtet noch in der Besenkammer sitzt. Ich neige dazu Großschreibung als “Betitelung” zu empfinden, aber das nur vielleicht. Auf den Rest bezogen verbeuge ich mich vor Annas tiefen Verständnis des Amerikanischen Gardnerianismus.

Darf ich mich jetzt auch noch vorstellen:

Eingeweiht von Gerald Gardner, Mitte der Fünfziger, war Jack Bracelin mein Hohepriester. Wir waren zu selben Zeit eingeweiht worden, wir leiteten zusammen den Bricket Wood Coven bis ich ihn 1959 verließ um zu heiraten, denselben Kerl mit dem ich immer noch verheiratet bin, die Göttin möge ihn segnen. Mein Buch der Schatten ist schon lang durch Feuchtigkeit und Insekten vernichtet worden, als wir in der Karibik lebten. Es war nur zwanzig Seiten dick und ganz schön skizzenhaft aber es hat verflixt gut funktioniert. Zumindest taten wir das als Coven. Lois war meine Maiden und ein beachtliches Medium. Wir ihr vielleicht alle wisst, habe ich mich zumindest auf diesen Foren vor ein paar Jahren geoutet und habe Kalifornien dank Anna besucht. Ich schätze, wenn man all das Obige mit einbezieht, dann könntet ihr mich Urgroßmutter (durch die Macht von zwei nur zwei?) nennen und das ist der Titel, den ich am meisten mögen würde, jetzt, da ich die wirkliche Großmutter einer wunderhübschen Enkelin bin.

Habe Lois Bournes Buch “Dancing with Witches” gelesen und sie trifft im ersten Teil des Buches mit ihren Kommentaren zu Gerald ins Schwarze. Ich wusste von Idries Shah, traf ihn einmal als Jack mich mitnahm um ihn zu sehen. Er sah gut aus und war auch eine faszinierende Persönlichkeit! Zu ihren Kommentaren zur Volkskunde – ich habe sie nie wirklich sorgfältig gelesen – damit werde ich sie auch nicht kommentieren.

Liebe und seid gesegnet … Dayonis”

(Mit Erlaubnis wiedergegeben)

Für mich war das interessanteste Faktum an Dayonis Vorstellung, dass mir ihre Herangehensweise so bekannt und mit meinen eigenen Erfahrungen des Arbeitens in einem Coven vergleichbar war. Wir standen nicht auf Zeremonien und machten einfach weiter.

Es folgten mehrere andere E-Mails von langgedienten amerikanischen und europäischen Gardnerischen, die etliche Themen abdeckten. Viele waren damit befasst, was “richtig” im Sinne der Gardnerische Praxis war. Tatsächlich wurde die Liste so geschäftig, dass ich sie schon aufgrund der reinen Menge verließ.

Nach den anfänglichen Vorstellungen und üblichen Diskussionen über das Buch der Schatten, wurde es weniger interessant, einfach deshalb, weil so vieles von dem sich nicht auf das anwenden ließ, was in den Niederlanden geschah.

Auch gab es Listen und Foren die bei uns neu auftauchten. Mit einer Vollzeitarbeit und Wicca-Aktivitäten beschäftigt, hatte ich einfach nicht die Zeit an diesen “transatlantischen” Diskussionen teilzunehmen.

Das Parlament der Weltreligionen

Also vorspulen ins Jahr 2014. Ich war beschäftigt damit Pläne zu machen die URI (United Religions Initiative) und die PFI beim nächsten “Parlament der Weltreligionen” 2015 in Salt Lake City zu vertreten. URI würde einen Gästebereich einrichten und ich hatte angeboten zu helfen. Es gab die üblichen Facebook-Gruppen in denen Leute aus den unterschiedlichsten Organisationen interagierten. Zu meinem Erstaunen und meiner Freude stellte ich fest, dass Dayonis ebenfalls teilnehmen würde. Ich beschloss ihr eine persönliche Nachricht zu schicken und sie wissen zu lassen, dass ich ebenfalls teilnehmen würde … aber sie antwortete nicht. Wie auch immer, ich hatte keine Ahnung, dass Anna und Don auch teilnehmen würden (Don in seiner Funktion als URI Repräsentant) und Dayonis bereits gefragt hatten, ob sie mich und Vivianne Crowley, die auch am Parlament teilnahm, treffen wolle.

Stellt euch meine reine Freude vor, als ich Dayonis und ihrem Mann vorgestellt wurde. Sie entschuldigte sich sofort für die Kürze des Treffens, weil sie beide als Freiwillige beim Parlament arbeiteten. Aber sie hatten trotzdem Zeit für eine kurze Pause. Gleich von Anfang an schnatterten wir wie die Elstern, wollten die aktuellen Neuigkeiten wissen. Es war wirklich wie Familie zu treffen.

Wir machten ab uns am Sonntag zum Mittagessen und einem richtigen Gespräch zu treffen. Vivianne und ein paar andere Hexenfreunde schlossen sich an. Natürlich sprachen wir darüber, wie es war in einem Coven zu sein – damals. Wie einfach das Leben war, verglichen mit jetzt.

Dayonis und Morgana beim Parlament der Weltreligionen, Salt Lake City 2015

Wir sprachen über Abstammungslinien und die regelrechte Besessenheit, die Amerikaner diesbezüglich haben. Natürlich verstehen wir, warum das so geschehen ist und warum das nötig ist, aber wie Dayonis später anmerkte, “wussten wir nicht immer, was Gerald vor hatte.” Und wir wissen tatsächlich, dass Gerald viele Verbindungen hatte und viele Leute traf.

Ich hatte diese Erfahrung auch gemacht, wenn ich mich an meine eigene Initiation erinnerte und an den Coven, in dem ich ausgebildet wurde. Es erinnerte mich daran, wie Vivianne und ich uns das erste Mal trafen. Obwohl wir beide von Eleanor Bone “abstammten” und damit schlussendlich von Dayonis, wussten wir nur wenig über den Hohepriester und die Hohepriesterinnen der anderen. Wir wussten, dass sie alle geringfügig unterschiedliche Versionen des Buches der Schatten zu haben schienen. War das das Resultat schlampigen Kopierens? Oder waren die Dinge geändert worden? (Wir wissen, dass Dinge manchmal von GBG geändert wurden, manchmal von dem betreffenden Hohepriester/der Hohepriesterin). Dayonis erzählte mir später, dass sie sich öfters Jacks Buch ausborgte…

Das Gespräch war gefüllt mit wunderbaren Anekdoten. An einem Punkt sprachen wir auch über die Kerzen in den vier Richtungen – wir fragten Dayonis ob sie damals eine bestimmte Reihenfolge oder bestimmte Farben verwendeten. “Oh nein”, antwortete sie. “Wir haben nur weiße Kerzen verwendet …” Ich fügte hinzu, dass wir in unserem Englischen Coven blaue Kerzen verwendeten und Anna erinnerte sich an Doreens Kommentar “Wir verwendeten rote Kerzen für die Himmelsrichtungen – weil es da im Supermarkt ein billiges Angebot gegeben hat”. Alle platzten vor Lachen!

Wie so oft ist britisches praktisches Denken und Pragmatismus am Werk. Das ist für mich einer der Aspekte des Gardnerischen Wicca, den viele Leute schwer zu begreifen finden. Wir sorgen dafür dass „es funktioniert“ und erfinden Dinge aus dem Stehgreif. Wir veräppeln gern Leute aber wir haben auch eine gewisse Überheblichkeit, die sich oft in unserem Sprachgebrauch zeigt. Jeder, der schon einmal die Online-Listen „Was Briten sagen … und was sie meinen“ gesehen hat, wird genau wissen, wovon ich hier spreche.

Also, nein, wir haben keine standardisierte „spezielle rote Kerze“ – wir können aber eine rote Kerze haben, die speziell ist … Aber ich schweife ab, noch eine typisch britische Gewohnheit.

Dayonis und die Kunst

Dayonis und ich verstanden uns so gut, dass sie mich einlud, sie länger zu besuchen – was ich im Oktober 2016 tat. Was für eine wunderbare Woche wir hatten! Vierzig Jahre Neuigkeiten aufzuholen war eine Herausforderung, aber wir konnten eine ganze Menge teilen. Ich muss an dieser Stelle sagen, dass ich vorher noch kein so außerordentliches Paar getroffen habe!

Seit 60 Jahren verheiratet und sich immer noch so zugetan. Sie interessieren sich immer noch beide für die Welt und lesen jeden Tag die Zeitungen. Ich war während der Endphase der Präsidentenwahl im November dort und wie sprachen über die unterschiedlichen Kandidaten, die Skandale und die Schlammschlachten, aber auch über den Effekt des Brexit und den erstarkenden Rechtspopulismus in Europa.

Obwohl Dayonis jetzt Amerikanerin ist, ist sie in ihren Anschauungen immer noch sehr britisch. Wir ähneln uns in dieser Hinsicht sehr – wir haben beide das Vereinigte Königreich in unseren Zwanzigern verlassen – und haben beide in unserer Wahlheimat eine neue Nationalität angenommen. Wir sprachen auch eine Menge über unsere englische Erziehung, obwohl wir beide in Wales geboren waren. Und auch über unsere ununterbrochene Liebe für BBC Dramas, beispielsweise.

Dayonis wurde am 20. März 1931 in Cardiff geboren. Nach Fred Lamond, den Dyonis zu Imbolc 1957 einweihte, hat Gerald Gardner Reportern einmal erzählt, dass Dayonis „aus einer Hexenfamilie stammte. Sie sah mit ihrem Elfengesicht auch so aus, als ob sie geradewegs aus einem Arthur Rackham Bild käme.“

Zufällig war es auch Fred, der Dayonis ihrem späterem Ehemann vorstellte. Sie trafen sich alle bei „Mensa“ (in England 1946 gegründet), als Dayonis dort bei der Gesellschaft einen Vortrage hielt. Er und Fred waren zwei Gründungsmitglieder der Mensa Gesellschaft. Dieses Treffen war 1959. Sie heirateten im September 1959, eine Woche, bevor sie nach Kanada auswanderten.

Als Dayonis in die Kunst kam, war sie jedenfalls die Freundin von Jack Bracelin und er wurde später ihr Hohepriester. Sie wurden beide 1955 eingeweiht. Jack wurde von Barbara Wickers initiiert und Dayonis von Gerald Gardner. Sie war 24 Jahre alt. Sie wurden Teil von dem was später der „Bricket Wood Coven“ genannt werden würde.

Sie erinnert sich:

Wir waren nur eine Gruppe an Leuten, die etwas gefunden hatte, das zu ihnen passte und wir folgten „ihm“ dorthin, wohin „es“ uns führen sollte. Das war so eine Menge an Zufällen, die alle auf einmal passierten. Wir schienen alle nach etwas zu suchen und die Kunst wurde genau das, was wir gesucht hatten. Das war das Gefühl der Gemeinschaft und des sich sehr, sehr Mögens, im Großen und Ganzen eine gute Zeit zusammen zu haben. Die Kunst war damals sehr intim, weil wir nur sehr wenige waren, die sie ausübten.

Jack Bracelin

Bricket Wood fing wirklich mit Jack an. Er war derjenige, der Geralds Buch „Witchcraft Today“ (herausgegeben 1954) gefunden hat.

Jack sprach mit Gerald und das war der Anfang des Bricket Wood Coven. Er und ich waren zu dieser Zeit zusammen und wir hatten beide Geralds Buch gelesen. Wir fühlten, dass die Craft zu finden, ein „nach Hause Kommen“ war. Als Jack mich Gerald vorstellte, fiel alles an seinen Platz. Wir gingen nach Bricket Wood hinauf, sahen das Hexenhaus und Gerald sagte uns, wie wir uns organisieren könnten um die Leitung des Five Acres Club zu bewerkstelligen.

Tatsächlich war es Jack, der die Basisarbeit leistete. Er war der Arbeiter und er arbeitete unglaublich hart. Im Hexenhaus legte er den Fussboden; er malte die Begrenzung des Kreises, den wir benutzten, auf den Boden und markierte die Himmelsrichtungen. Er war eigentlich der Leiter.“

Über Jack sagte sie: „Er war nett, ein bisschen anders als die meisten Leute. Er trank sehr viel Tee und war wirklich sehr angenehm. Jack war freundlich und freigiebig, wirklich eine nette Person. Er suchte, er suchte wirklich, nach etwas Spirituellem. Er war sehr unterstützend. Wenn man etwas brauchte, etwas erledigt werden sollte oder man etwas wissen wollte, dann fragte man Jack.“

Wenn sie von Jack redete, dann erinnerte sich Dayonis auch wie er dabei half, das berühmte Hexenhaus, „Witch´s Cottage“ herzurichten. „Es war sehr schlicht. Es war ein einziger Raum. Jack legte einen neuen Fußboden, strich diesen dann schwarz und malte dann in weiß einen Kreis mit 9 Fuß Durchmesser auf, mit Markierungen, wo die Himmelsrichtungen waren. Die Außenbegrenzung war zwei Inches breit und gab mir die Begrenzung an, wenn ich herumging um den Kreis zu erschaffen. Es gab eine Truhe, die wir als Altar nutzten, und in der wir die Dinge aufhoben, die für den Altar benutzt wurden. Das war´s. Wir hielten es einfach.“

Die Erwähnung der vier Richtungen und Dinge einfach zu halten, erinnerte mich an einen Kommentar, den sie ein Jahr früher über die Kerzen für die Richtungen gemacht hatte. Ich fragte mich, welche anderen Werkzeuge verwendet wurden? „Es gab die Athame, ein Schwert, einen Stab, ein Werkzeug um das Salzwasser zu versprengen, ein Teller für Kuchen und Wein, Kerzen, ein Messer mit weißem Griff und eine wunderschöne Statue einer Göttinnenfigur, die Freddies erste Frau gemacht hatte.“

Wir begannen mehr über die Praxis und über Magie und Ritual zu reden. Dayonis sagte,„Hexenrituale sind etwas, das mit der Intention etwas zu erschaffen gemacht wird. Das heißt einen Keis zu erschaffen, diesen und die, die sich darin befinden zu reinigen, und dann „die Arbeit tun“, wie wir es für gewöhnlich nannten. Meiner bescheidenen Meinung nach bedarf es die Wiederholung der gleichen Worte, der gleichen Aktionen etc., da der magische Geist es einfacher findet, die Arbeit des Erschaffens zu tun und dann mit der Arbeit fortzufahren.“ Sie fügte noch hinzu: „Ja, ich war eine effektive Hohepriesterin und wir haben einige gute Magie gemacht. N. hat meine Regenmagie auf seiner Farm sehr gut gefallen.“

Kraft aufzubauen und das zu verwenden, was wir Sympathiemagie nennen, ist etwas an dem Dayonis noch immer viel liegt. Ihr Umweltbewusstsein ist immer noch offensichtlich dadurch, dass sie organische Nahrungsmittel essen und umweltfreundliche Reinigungsmittel etc. verwenden. Obwohl sie Wicca 1959 verlassen hat, glaube ich nicht, dass sie aufgehört hat, eine Hexe zu sein.

Neue spirituelle Wege

In den darauf folgenden Jahren reisten sie und ihr Ehemann nicht nur nach Kanada sondern auch in die Karibik. Sie erzählte mir, dass sie siebzehn Mal umgezogen waren, bevor sie sich endgültig in Utah niederließen. Umgeben von Bergen lieben sie es, wo sie jetzt sind.

Ich fragte mich, wie sie das Leben im Herzen und Zentrum des Mormonentum empfunden hatten. Ich fragte, „Würdest Du Salt Lake City beispielsweise als tolerante Stadt beschreiben?“ Dayonis antwortete, dass sie nie irgendwelchen wirklichen Problemen begegnet sei, aber sie habe nie offen über ihre Verbindung zu Wicca gesprochen. Tatsächlich hatte sich ihre spirituelle Ausrichtung in Richtung transzendentaler Meditation verschoben und später befassten sie sich mit den Lehren von Sai Baba.

Viele Jahre lang unterhielten sie einen Treffpunkt für Sai-Baba-Anhänger. Sie besuchten auch bei mehreren Gelegenheiten den Ashram in der Nähe von Bangalore, Indien. Und natürlich waren es die Mormonen, die 2015 das Parlament der Weltreligionen in Salt Lake City ausrichteten. Also war es dort nicht allzu schwierig eine alternative Form der Spiritualität zu praktizieren.

Meditation war immer wichtig … und ist es noch. Dayonis erinnerte sich an eine Erfahrung während einer Meditation: „Ich hatte eine sehr bewegende Erfahrung, während ich im Haus meiner Tochter meditierte. Das war zu einer Zeit in meinem Leben als ich noch transzendentale Meditation praktizierte. Meine Tochter und ihr damaliger Ehemann hatten gerade ein Haus gekauft. Ihr und mein Mann waren draußen Skifahren und meine Tochter und ich waren zuhause und strichen die Wände. Ich ging in den Keller um die Farbrollen auszuwaschen und ich hörte wie die Stimme meines verstorbenen Bruders mich rief. Er hatte eine unverkennbare Stimme. Ich konnte fühlen, wie sich die Haare auf meinem Kopf aufstellten! Er rief mich erneut und ich schaute, dass ich so schnell wie möglich aus dem Keller kam. Am nächsten Morgen beschloss ich, mich während meiner Meditation darum zu kümmern. Ich ging auf eine Meditationsreise und fand meinen Bruder in einem „Rattenloch“ – es gibt eine Geschichte zu einem wohlbekannten Platz. Er war auf der falschen Seite gefangen und versuchte heraus zu kommen, aber anstatt dessen grub er sich tiefer ein. Ich konnte ihn erreichen und sagte, „Okay, folge mir!“ Ich brachte ihn hoch in die mittlere Welt und da bemerkte ich, dass das nicht länger er war und ich in meinen erhobenen Armen einen Körper aus Licht hielt. Und so schubste ich ihn in die obere Welt hinauf und sagte ihm, „Geh jetzt und finde eine andere Mama.“

Dann tauchte ich aus der Meditation auf. Ich merkte, dass ich geweint hatte, obwohl es mir nicht aufgefallen war, als es passiert war. Mein Bruder war in mancher Hinsicht keine besonders nette Person. Er war frauenfeindlich, nicht verheiratet, hatte sich keine Freunde gemacht und lebte allein in einem Haus, das unsere Eltern gekauft hatten als sie geheiratet hatten. Er war eine sehr schwierige Persönlichkeit und für mich war es eine wirkliche Erleichterung fähig zu sein, ihn an einen besseren Ort zu schicken. Und ich glaube nicht, dass ich dazu fähig gewesen wäre wenn ich nicht mit der Craft angefangen hätte und dann zu anderen spirituellen Dingen weiter gegangen wäre.“

Rückblickend sieht Dayonis ihre Erfahrungen und Zeit im Bricket Wood als Katalysator. Obwohl sie als orthodoxe Jüdin aufgewachsen war, sagte sie dass „das mir nie wirklich sinnvoll vorgekommen ist…“. Sie fühlte sich mehr angezogen vom alten Ägypten, beispielsweise. Einer ihrer Lieblingsautoren zu dieser Zeit war Joan Grant, die über ihre „vergangenen Leben“ schrieb. Ja! Ich musste zustimmen, Bücher wie „The Winged Pharaoh“ aber auch auch so facettenreiche wie „Scarlet Feather“. Sie ist immer noch eine begeisterte Leserin.

Über Seelenrückholung und Schamanismus

Einer der einflussreichsten Wege ihres Lebens war aber der Schamanismus. „Er hat mir einen Weg nach innen zu gehen aufgezeigt. Den Geist zu gebrauchen hat ist relevant für die Art und Weise, wie ich Wicca erlebt habe. Wie der Geist die Fähigkeit besitzt eine Lebenswelt zu erschaffen. In Wicca erschafft er einen Kreis als sicheren Ort, einen getrennten heiligen Raum. Und du kannst dort alles tun.
Ich bin fasziniert davon, wozu der Geist imstande ist. Der Kreis birgt die Kraft in diesem „Ort zwischen den Welten“. Schamanismus bietet diese Art des sicheren Raumes in deinem Geist ebenfalls.“

Obwohl Dayonis und ihr Ehemann Schamanismus zuerst durch Michael Harner entdeckten, war es Sandra Ingerman – die bei Harner gelernt hatte – die ihnen etwas beibrachte und sie inspirierte. „Es war Sandra, die mich am meisten inspirierte. Besonders ihre Herangehensweise an die Seelenrückholung erregte meine Aufmerksamkeit.“ 1991 schrieb Sandra „Soul Retrieval – Mending the Fragmented Soul”. (herausgegeben von Harper Collins San Francisco ISBN 0-06-250406-01)“

In der Einleitung beschreibt sie das „Konzept des Seelenverlusts – als – das Verlieren lebenswichtiger Teile von uns selbst, die uns mit Leben und Vitalität versorgen. Diese Teile gehen durch Traumata verloren und wer hat die meisten Traumata erlebt, wenn nicht die Kinder, die in uns leben? Hier biete ich einen Einblick in die Seelenrückholung, eine alte Technik des Schamanismus, die diesen Kinder helfen kann nach Hause zu kommen.“

Mit Sandra lernten sie nach unten, in die „unteren Welten“ zu gehen. Dayonis beschrieb es als „einen Wasserfall aus Feuer hinunter zu fliegen, wie im Zentrum eines Vulkans. Es war wunderbar frei, an all dieses wunderschönen Plätze gehen zu können.“ Durch die Technik der Seelenrückholung war es möglich diese Plätze zu bereisen. Sie erinnert sich an eine Erfahrung, als sie sich während einer Übung mit ihrem Übungspartner in diesem Workshop(,) an einem wunderschönen Strand wiederfand und dort einige Goldmünzen sah. Dann fand sie heraus, dass ihr Partner finanzielle Probleme hatte!

Keep It Sweet and Simple

Natürlich war ich neugierig, wie Dayonis die Hexenkunst heute sieht. Wir sprachen ausführlich über unsere eigenen Erfahrungen der letzten 35 Jahre und Dayonis war begeistert zu hören, wie sich in Europa alles gewachsen war und sich entwickelt hatte. Sie hatte allerdings einige Ansichten über gegenwärtige Trends, besonders bezüglich dessen, was man als „Dogmatisierung“ des initiatiorischen Wicca sehen könnte.

Sie kommentierte dies und hatte auch einige Tipps:

„Die Kunst hat sich so sehr verändert, dass ich denke, dass was ich auch vorschlagen würde, nicht wirklich von Wert wäre. Die einzige Sache, die ich vorschlagen würde, ist „Keep It Sweet and Simple, KISS.“

Ja, halte es einfach. Je komplizierter du die Dinge machst, desto weniger an Wert haben sie. Je mehr du hinzufügst, desto weniger bekommst du heraus. Was wir in Bricket Wood gemacht haben, das haben wir, wie ich es nenne, in aller Unschuld getan. Wir waren wie die Kinder und das alles war völlig neu. Die Kunst war das Zuhause, zu dem wir alle fühlten, zurückgekehrt zu sein. Wir waren alle so glücklich in unserem „Spielzimmer“, dass wir nicht wirklich an etwas anderes dachten als an das, was wir im Moment machten. Das war alles sehr, sehr fokussiert.

Es war alles voller Staunen! Das Staunen ist von allen wirklich die wichtigste Sache, die wir in der Kunst an die Leute weitergeben sollten. Verkompliziert das nicht! Haltet es einfach. Ich habe schon Bücher der Schatten gesehen, die viele Zentimeter dick und gefüllt mit was auch immer waren. Meines waren nur sechs Seiten lang, vielleicht maximal zehn.“ Sie lachte, als ich ihr sagte, das der „Kern“ von meinem Buch der Schatten ungefähr zwölf Seiten habe…

Auf das Buch der Schatten zurück kommend fügte Dayonis noch hinzu: „Natürlich spreche ich nur von meinen eigenen Erlebnissen, die ziemlich am Anfang waren. Nachher kamen dann noch andere Sachen dazu und nicht alles davon ist schlecht. Warum sollte es keine Entdeckungen geben, dass andere Dinge auch funktionieren? Gerald sagte immer zu uns, „wenn etwas funktioniert, dann ist das gut.“ Aber du solltest es als etwas kennzeichnen, das du hinzugefügt hast. Die Menge an intellektueller Arbeit, die vom Beginn an geleistet wurde, ist gewaltig. Wir dachten, dass wir eine ganze Menge wussten, aber wir hatten gerade mal an der Oberfläche gekratzt. Die Forschung, die da gemacht wurde, versetzt mich in Ehrfurcht. Das ist wirklich faszinierend.“

Natürlich ist Forschung und ein Verständnis, wo die Dinge herkommen, von Wert. Wir kamen beide überein, wie wichtig es ist, über die eigene kulturelle Geschichte Bescheid zu wissen. Zu wissen, woher wir kommen und das große Bild zu sehen, mit der Absicht zu verstehen, was heute in der Welt passiert. Man sollte aber auch kritisch sein!

Als ich Dayonis nach ihrer Verbindung mit den Göttern fragte und wo sie ihre Inspiration hernimmt, war sie sehr deutlich, was den Einfluss der Natur angeht. „Sie sind die Gesamtheit des Lebens. Ich mag „Old Hornie“ weil das meine Lieblingsfacette von Ihm ist. Wann immer ich das Symbol zeichne, zeichne ich es immer mit Hörnern nach oben, weil ich nie herausgefunden habe, wie man es anders herum zeichnet. Die Göttin aber ist vielschichtiger. Sie ist die wundervolle Erdmutter, aber in ihrem Inneren gibt es auch ein gewisses Feuer. Ich habe keine wirklich konkrete Vorstellung von Ihr, aber ich kann Ihn sehr klar als eine waldige Version von Gerald sehen!“

Bryce Canyon

Bei meinem Besuch fragte Dayonis mich, ob ich die Canyons in Südutah besuchen wollte. Ja, natürlich, wollte ich! Und was für ein wundervolles Wochenende wir beim Besuch vom Bryce Canyon und dem Zion National Park hatten. Ich kann wirklich behaupten, dass ich nie etwas so Atemberaubendes gesehen habe. Die Geschichte der Entstehung dieses gesamten Gebietes ist faszinierend und äußerst sehenswert. Links einige Fotos.

Während wir nach Südutah reisten, sahen wir die sich verändernde Landschaft. Von trockener Savanne bis zu überwältigenden Bergen, der Heimat der Ute und Navajo. Wir sprachen über die Wichtigkeit des Naturschutzes und den Respekt für Mutter Erde. Während wir durch den Zion National Park fuhren, machte ich einige Bilder. Ich war plötzlich von einem bestimmten Schnappschuss gefesselt, auf dem es so aussah, als ob die Göttin über den Bergen wachen würde … fast im Schlaf … aber immer aufmerksam. Wir konnten sehen, wie diese Canyons mit ihren „Hoodoos“ die Indianer beeinflusst haben mussten. An diesem Wochenende war auch Vollmond. Wir nennen ihn „Blutmond“ – und das Panorama der Berge in rot, rosa und orange erinnerte mich an das „Feuer im Inneren“ und daran, wie Dayonis beschrieben hatte, wie sie die Göttin wahr nahm. Auch an das Eisen das unser Blut rot färbt und die Rosa- und Weißfärbung den weißen Kalksteins verursacht.

Der Indianische Name für den Bryce Canyon lässt sich sinngemäß als „Rote Felsen, die wie Männer in einer schüsselförmigen Vertiefung stehen“ übersetzen
Auf unserem Weg zurück nach Salt Lake City sprachen wir über die wunderbaren Dinge, die wir gesehen hatten, und wie belebend das gewesen war. Wie Dayonis gesagt hatte, „Wenn wir die Dinge einfach halten, können wir das Wundersame sehen!“
Was für eine wunderbare Art diese gemeinsame Woche abzurunden!

Nachtrag: A Goddess Arrives

Gardners erster Roman entstand als Resultat eines Traumes oder besser einer Reihe von Träumen, in denen er für den Bau einer Verteidigungsmauer zuständig zu sein schien, um Eindringlinge abzuwehren. Er nahm an, dass es sich um die Erinnerung aus einem vorherigen Leben irgendwo im Mittelmeerraum oder dem Mittleren Osten gehandelt habe. Die Träume waren so lebensnah, dass Gardner dazu inspiriert wurde, „A Goddess Arrives“ zu schreiben.

Der Roman handelt zur Zeit der Ägyptischen Invasion Cyperns 1450 und erzählt wie sie schlussendlich zurückgeschlagen wurde. Die Heldin der Geschichte, Dayonis, wird als Hexe beschrieben, aber sie scheint in ihren Ritualen Tier- und in manchen Fällen – Menschenopfer zu benötigen. Er wurde Ende 1939 veröffentlicht, knapp nach der Einweihung Gardners in die Craft. Das zeigt, dass er schon vor dieser Zeit an Hexentum und Ritual interessiert war, obwohl er dazu gezwungen war, einige seiner Ideen zu ändern, beispielsweise über Menschen- und Tieropfer, nachdem er tatsächlich einige Hexen kennen gelernt hatte.

Anna Korn hat mir gesagt: „Es war Gerald, der ihr ihren Craftnamen gegeben hat und er schrieb den Namen auf eine Armspange, die er für sie gemacht hatte. (Sie wusste nicht, dass „Dayonis“ die Hauptfigur in „A Goddess Arrives“ war, bis ihr das von uns Ur-ur-ur etc Enkeln erzählt worden war)“. (privates Gespräch)